Nichtsahnend und vor sich hin dösend, nahe dem Schlafzustand, sitzt man in der Bahn und ist froh bald zu Hause zu sein, bis einen mehr oder minder melodische Klänge und unter Umständen auch begleitet von ebensolchem Gesang wieder in die Realität zurückzerren.
Die Rede ist von den fahrenden Musikern und Sänger/innen, die von Haltestelle zu Haltestelle pendeln, ein kurzes Liedchen während der Fahrt trällern und dann mit einem Pappbecher oder einem Zettel mit irgendwelchem Gekritzel durch den Wagen marschieren, in der Hoffnung noch 10 Cent oder mehr zu ergattern. Dieses Wagen-Hopping funktioniert natürlich nur solange keine Kontrolleure in Sicht sind und mich beschleicht mithin das Gefühl, daß diese Leute genau wissen wann und wo die – im übrigen sehr rar gewordenen – Fahrkarten-Kontrollen stattfinden.
Zumal die Damen und Herren immer gerissener werden. Neulich schlich sich einer mit nem Rucksack durch die letzte Tür im Wagen, ging bis zur mittleren Tür und aus dem vermeintlichen Rucksack wurde nach entfernen einiger Tücher ein Akkordeon. Beim Wechsel in den nächsten Wagen packte er wieder alles zusammen, damit es von außen wieder wie ein Rucksack erschien. Immerhin ist dies von den Bahnsteigkameras so nicht zu ermitteln oder zu entdecken. Man vermutet lediglich eine Person die weiter nach vorne in den Zug einsteigen will um beispielsweise einen Anschlußzug oder Bus zu erwischen. Zudem fällt auf, daß diese Sänger und Musiker nur Züge nutzen die bisher ohne Kamerasystem ausgestattet sind. Derzeit ist das noch die Regel, aber unsere überwachungsverliebte S-Bahn Hamburg bzw. Bahn AG ist schon fleißig dabei dem gegenzuwirken. Mal sehen was sie sich demnächst einfallen lassen, unsere modernen “Barden” (leicht übertrieben)
Ich habe jedenfalls das Gefühl, daß das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen ist.