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 |  Montag, 22. Mai 2017

Lausitzer Rundschau: Historische Ungerechtigkeit an einem Helden Zu: Der Geheimdienstfall Lech Walesa

Cottbus Ein wenig erinnert das Trauerspiel um Polens Freiheitshelden Lech Walesa an die Schlussphase der Ära Helmut Kohl in Deutschland, die von einem dramatischen Ansehensverlust und von der Spendenaffäre überschattet wurde. Über Walesa wird in Polen seit vielen Jahren vor allem im Zusammenhang mit angeblichen Stasi-Spitzeleien berichtet, zu denen sich der spätere Solidarnosc-Führer in den 70er-Jahren verpflichtet haben soll. Im Lichte der neuesten Erkenntnisse muss es wohl heißen: verpflichtet hat, auch wenn Walesa alle Vorwürfe bestreitet und sich dabei immer weiter verrennt. Denn die wenigsten Menschen kämen vermutlich auf die Idee, von einem Revolutionär eine blütenweiße biografische Weste zu verlangen. Hätte der Freiheitsheld früh reinen Tisch gemacht, wäre die „Akte Bolek“ vermutlich längst in Vergessenheit geraten, zumal selbst seine schärfsten Kritiker nicht behaupten, Walesa hätte Mitstreiter systematisch ausgeforscht und an die Stasi verraten. Mit kaum 30 Jahren hat der inhaftierte Familienvater in einer Drucksituation eine Verpflichtungserklärung unterschrieben viel mehr war nicht. Das frühe Fehlverhalten verblasst vollends, wenn man Walesas Verdienste dagegenstellt. Er war der Mann, der allen anderen friedlichen Revolutionären im Osten Europas den Weg bereitete! Schon wahr: Ohne Michail Gorbatschows Perestroika wäre der Wandel im Sowjetblock ebenso wenig denkbar gewesen. Aber die beiden bedingten einander. Walesa führte die Revolution von unten, Gorbatschow den „Umbau“ von oben. Daran muss man an einem Tag erinnern, an dem seine Gegner den Helden am liebsten zum Schurken erklären würden. Das darf und wird ihnen nicht gelingen. Es wäre eine historische Ungerechtigkeit sondergleichen.

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