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 |  Montag, 26. Juni 2017

Mittelbayerische Zeitung: Kommentar Mittelbayerische Zeitung

Die wichtigste Nachricht für Eltern und Schüler vorab: Das Konzept der CSU für das neue neunstufige Gymnasium inklusive eingebauter Überholspur für die ganz Fixen klingt ziemlich gut: Es gibt mehr Geld und mehr Lehrerstellen. Es überzeugt, dass der Klassenverbund bis zur zehnten Klasse in jedem Fall erhalten bleibt flankiert von Extrakursen für die Abkürzer. Es wurde zu Recht auch an den Inhalten geschraubt und das Zukunftsfach Informatik zur Pflicht gemacht. Gut ist auch, dass die politische Bildung in unruhigen politischen Zeiten größeren Raum bekommt. Mögliche Schwachstellen des Konzepts wird der Praxistest zeigen. Doch die gröbsten Fallstricke dürften im jahrelangen Dialogprozess erkannt und verhindert worden sein. Das lässt sich daran ablesen, dass sich die Opposition bei ihrer Kritik auf weitere Teile des Bildungspakets konzentrierte, von denen etwa Förder- und Realschulen profitieren. Die CSU ist trotzdem gut beraten, sich nicht allzu stolz auf die Brust zu trommeln. Dem neuen G9 ging ein quälend langer Prozess voraus, der durch Teile der Landtagsfraktion nach Kräften verlängert worden ist. Es brauchte mehrere Schubse und ein Machtwort von Regierungschef Horst Seehofer, damit nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag Bedenken gewälzt werden nur um die eigene Kapitulation hinauszuzögern. Denn das neue G9 ist für die CSU natürlich auch eine Niederlage: Es ist das klare Eingeständnis, dass das 2004 im Schnellverfahren eingeführte G8 nicht gut genug war. Die CSU muss sich vorwerfen lassen, dass grundlegende Verbesserungen am G8 schon deutlich früher möglich gewesen wären. Die Regierungspartei hätte sich nur von der Opposition inspirieren lassen müssen, die im Landtag unzählige Verbesserungsanträge gestellt hat, aber regelmäßig kein Gehör fand. Die Freien Wähler dürfen jedenfalls für sich reklamieren, dass sie den Umdenkprozess der CSU befördert haben. Das Volksbegehren zum G8, wenngleich gescheitert, hat Seehofer hellhörig gemacht. Der Regierungschef hat sich nie gescheut, zügig über Bord zu werfen, was Dauer-Ärger der Bürger produziert. Gerechterweise ist zu sagen: Die CSU-Fraktion tat sich mit dem Überbordwerfen des G8 nicht nur deshalb härter, weil sie sich wieder einmal von Seehofer überrumpelt fühlte und die eigenen Muskeln spielen lassen wollte. Viele hatten auch die heftigen Prügel nach Einführung des G8 in Erinnerung und wollten keine Neuauflage riskieren. Ein harter Kern zählte zudem bis zuletzt zu den vom G8 Überzeugten. Für einen Teil der Schüler hatte es ja auch gut funktioniert. Das große Bildungspaket, mit dem das neue G9 nun kombiniert wird, dient den Zögernden zur Gesichtswahrung. Wichtiger Punkt ist die Stärkung der Förderschulen hier sind von 2018 bis 2020 insgesamt 250 neue Lehrerstellen geplant. Nachwuchs für spätere Jahre soll auch in Regensburg ausgebildet werden: An der Universität nimmt zum Wintersemester 2021/2022 der dann dritte bayerische Sonderpädagogikstandort mit drei Lehrstühlen seinen Betrieb auf, wie das bayerische Kabinett am Dienstag bei der Auswärtssitzung in der Oberpfalz beschlossen hat. Der G9-Kompromiss dient Seehofers Ziel, mit möglichst wenig ungelösten Problemen in die beiden nächsten Wahlen zu ziehen. Bürger sollen dieses Jahr im Herbst im Bund und 2018 bei der Landtagswahl keinen Grund haben, an die CSU Denkzettel zu verteilen. Seehofer präsentiert sich dabei als durchsetzungsstarker Macher, mag man von den CSU-Beschlüssen nun im Einzelfall viel halten oder nicht: Ob G9, Maut oder Erdkabel für Stromtrassen Seehofer hat geliefert, was er zuvor versprochen hat.

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