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Pressemeldungen aus Deutschland

 |  Montag, 22. Mai 2017

Weser-Kurier: Über den Fall Yücel schreibt Joerg Helge Wagner:

Bremen Pressefreiheit ist eine Zumutung: für die von Journalisten kritisch begleiteten Politiker, Unternehmer, Fußballtrainer, Künstler aber auch für jene, die in den eben Genannten Hoffnungsträger, Heilsbringer, Genies oder zumindest Vorbilder sehen. Viele sind allzu rasch bereit, mal eben ein Grundrecht einzuschränken, wenn ihnen das Gesagte oder Geschriebene nicht passt. Auf dieses ungesunde „Volksempfinden“, aufgeladen mit Hass und Hysterie, konnten sich Demagogen, Populisten und Diktatoren schon immer verlassen. Deshalb ist die Pressefreiheit auch eine Zumutung für all jene, die auf sie pochen und die sie verteidigen wollen: Sie agieren immer aus einer unterlegenen Position, müssen mühsam um Verbündete werben. Dem Journalisten Deniz Yücel wirft die türkische Justiz also die Justiz von Präsident Erdogan nun Volksverhetzung und Terrorpropaganda vor. Sein „Verbrechen“: Er hat einen Kommandeur der Kurden-Guerilla PKK interviewt und dann veröffentlicht, was dieser über Erdogan gesagt hat. Gewiss, die PKK ist kein Karnevalsverein: Sie hat unzählige Menschenleben auf dem Gewissen und ist deshalb auch hierzulande verboten. Aber hier haften Journalisten nicht für Äußerungen ihrer Gesprächspartner, und seien es auch die schlimmsten Unmenschen und Verbrecher. Die konstruierte Anklage gegen Yücel und Dutzende seiner Kollegen funktioniert wie die mittelalterliche Inquisition. Man muss nur Ketzer und Hexen durch Kurden und Putschisten ersetzen. Der Schauprozess ist Stalinismus in Reinkultur: Manipulierte „Beweise“ hier die Übersetzungen deutscher Artikel ins Türkische führen zum längst feststehenden Urteil. Dagegen muss man aufstehen und mit allen legalen Mitteln kämpfen. Das erfordert der Anstand aller echten Demokraten, ob sie nun regieren oder regiert werden.

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