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 |  Samstag, 24. Juni 2017

Westfalenpost: Akademisierung war gewollt – Zur Ausbildungskrise

Hagen Das wäre ein Witz mit makabrer Pointe: Während die Welt bewundernd auf das deutsche System der dualen Ausbildung blickt, wenden wir selbst uns davon ab. Immer mehr Schulabgänger verschmähen die Lehre und drängen an die Hochschulen. Das gefällt der Wirtschaft nicht. Doch es wäre falsch, die jungen Leute dafür zu kritisieren: Sie verhalten sich völlig rational. Ein Uni- oder Fachhochschul-Abschluss verspricht in der Regel immer noch mehr Prestige und Geld als eine betriebliche Ausbildung. Und die Akademisierung war gewollt. Nach der Pisa-Krise zu Beginn des Jahrhunderts hat die Bildungspolitik den Weg geebnet. Dass mehr als die Hälfte eines Jahrgangs inzwischen Abitur macht und die Noten immer besser werden, spricht allerdings dafür, dass die Anforderungen mittlerweile zu niedrig sind. Die Folgen baden die Hochschulen aus. Langfristig kann das die Berufschancen von Akademikern schmälern. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird irgendwann der Markt dafür sorgen, dass Handwerker mehr verdienen als Soziologen. Aber das kann dauern. In der Zwischenzeit werden Ressourcen verschwendet. Aber Veränderungen sind schwierig: Dass man Erzieher oder Pfleger zunehmend studieren lässt, vor allem, um sie mittelfristig angemessen bezahlen zu können, spricht Bände.

Westfalenpost Redaktion

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